„Bildung auf Verschleiß bringt unkalkulierbare Kosten und Risiken“
tlv warnt eindringlich vor weiterer Verzögerung bei Verbeamtung

Erfurt. Nach den heute öffentlich gemachten Vorschlägen von Sebastian Dette, Präsident des Thüringer Rechnungshofs, warnt der tlv thüringer lehrerverband eindringlich vor deren Folgen. Dette hatte sich dafür ausgesprochen, die Verbeamtung für Lehrer ganz abzuschaffen – am besten bundesweit. „Dieser Vorschlag ist völlig weltfremd“, so Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv. „Denn wir können nicht davon ausgehen, dass alle anderen Bundesländer künftig verzichten, nur weil einige Politiker in Thüringen einen anderen Weg gehen wollen.“ Stattdessen müsse man den Tatsachen ins Auge sehen. „Thüringen ist schon seit Längerem ganz unten auf der Beliebtheitsskala. Sogar die Sachsen, die ebenfalls ihre Lehrer nicht verbeamten, zahlen inzwischen besser. Und haben trotzdem Probleme, qualifizierte Bewerber zu finden.“

Auch Dettes Argument, dass die Verbeamtung ausschließlich hoheitlichen Tätigkeiten vorbehalten sein sollte, widerspricht Busch. „In Deutschland gibt es eine Schulpflicht. Folglich beeinflussen die Lehrer das Leben eines jeden einzelnen Menschen hier ganz unmittelbar. Das trifft auf Finanzbeamte, Polizisten oder Richter in dieser Absolutheit nicht zu.“

Diejenigen, die behaupten, dass die Verbeamtung die Probleme nicht löst, so der tlv-Vorsitzende weiter, seien in Wahrheit dagegen, hätten aber keine guten Argumente. Er stimme dem Gedanken zu, dass die Verbeamtung nicht das alleinige Allheilmittel sei. „Aber sie ist ein unverzichtbarer Schritt.“ Daneben müsse Thüringen endlich für eine bessere Bezahlung der Lehrer und für bessere Einstellungsbedingungen sorgen. „Momentan werden pro Jahr maximal 500 neue Lehrer eingestellt. Dem stehen 800 Altersabgänge gegenüber. Die Lage verschärft sich also mit jedem Schuljahr. Und selbst die 500 Stellen können wir nicht mehr alle fachgerecht besetzen. Die Unterrichtsversorgung ist inzwischen ernsthaft in Gefahr.“

In den vergangenen Jahren sei vieles versäumt worden. „Hier wird sehenden Auges zerstört, was wir mit viel Mühe aufgebaut haben.“ Die derzeit betriebene „Bildung auf Verschleiß“ bringe jedoch unkalkulierbare Kosten und Risiken mit sich. Die Verbeamtung jetzt noch weiter hinauszuschieben oder gar ganz in Frage zu stellen, ist nach Ansicht des tlv „grob fahrlässig“, denn die Lage spitze sich von Woche zu Woche mehr zu. „Natürlich ist gute Bildung teuer“, resümiert Busch. „Aber keine Bildung ist am Ende noch viel, viel teurer.“

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