Gera. Stefanie Kutschmar ist stolze Mutti. Vor zwei Monaten erblickte Luca das Licht der Welt. Die nächsten zwölf Monate widmet sie ganz ihrem Kind. Danach soll es zurück in den Job gehen. Voraussetzung dafür ist ein Platz in einer Kindertageseinrichtung. Sicher würde die Geraerin irgendwo einen Platz für ihren Sprössling finden. Von den für sie infrage kommenden Einrichtungen hat sie allerdings eine Absage für den gewünschten Termin bekommen. Erst Monate später wäre eine Unterbringung in der gewünschten Einrichtung möglich.

Stefanie Kutschmar hat sich auf die Suche begeben und ist fündig geworden. Anderenorts sei es durchaus üblich, die Betreuung alternativ zu einer Kindertageseinrichtung bei einer Tagespflegeperson in Auftrag zu geben. Laut Gesetz haben die Eltern die Wahlmöglichkeit zwischen diesen beiden Formen der Kindertagesbetreuung für Kleinkinder bis drei Jahren.

Während in vielen Thüringer Kommunen diese Alternative bereits weit verbreitet ist, suchte man in Gera bis vor kurzem vergebens danach. Jetzt gibt es am Reußpark eine erste Kindertagespflegestelle namens „Bieblacher Zwerge“. Vor wenigen Wochen hat die staatlich anerkannte Erzieherin Kerstin Batze ihre Kindertagespflegestelle „Bieblacher Zwerge“ eröffnet. Sie bietet in der Gerhart-Hauptmann- Straße 15 eine Ganztagsbetreuung für Kinder bis zu drei Jahren an.

Stefanie Kutschmar trifft sich zu einem ersten Informationsgespräch mit Kerstin Batze in der eigens für die Tagespflege angemieteten und kindgerecht eingerichteten Parterrewohnung. Gesprächsthemen haben die staatlich anerkannte Erzieherin und die junge Mutti genügend.

Aus dem Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Gera heißt es offiziell: „Die Betreuung bei einer Tagespflegeperson ist eine alternative Betreuung zu einer Kindertageseinrichtung, die sich am Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetz orientiert und somit den Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag erfüllt. Eine Tagespflegeperson ist eine pädagogische Fachkraft und arbeitet mit entsprechenden Methoden und Konzepten.“

Wie die genau von Kerstin Batze unter dem Grundsatz „Jedes Kind ist einmalig“ umgesetzt werden, erfährt Stefanie Kutschmar ausführlich.

Gefallen findet die Mutti nicht nur daran, dass Kerstin Batze sich um jedes einzelne Kind kümmern und auf dessen persönliche Bedürfnisse eingehen kann. Auch die Betreuungszeiten können flexibel, sogar bis in die Abendstunden oder auch mal am Wochenende, gestaltet werden. Kerstin Batze stellt die räumlichen Bedingungen vor, spricht von der engen Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Gera, stellt das pädagogische Konzept vor, spricht davon, dass bei ihr kein Kind aus der Brotbüchse leben muss, wie die verschiedenen Bereiche des Thüringer Bildungsplans umgesetzt werden und erklärt das Berliner Modell der Eingewöhnung. Überzeugt vom Konzept, sprechen die beiden Damen auch darüber, welche Schritte für die Anmeldung notwendig sind.

Dass es jetzt in Gera überhaupt eine erste Kindertagespflege gibt, ist letztlich der Fahrzeit von Kerstin Batze zu „verdanken“. Die ausgebildete Erzieherin mit vielen Jahren Berufserfahrung in der Kleinkindbetreuung ist täglich nach Jena gependelt. „Die Fahrzeit war mir zu viel“. Als sie von Bekannten erfahren hat, dass es in Gera noch keine Kindertagespflege gibt, hat sie sich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und sich mit dem Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Gera in Verbindung gesetzt. Vergangenen Sommer stand der Entschluss fest: „Jetzt gehe ich es an!“.

Zur offiziellen Eröffnung zeigte sich Birgit Klemm, Fachdienstleiterin Kinder- und Jugendhilfe, beeindruckt. „Liebevoll eingerichtete Räume, eine gemütliche Küche – das ist für die Kleinen wie zuhause. Wir sind sehr froh, dass Frau Batze diese Form der Kindertagesbetreuung verwirklicht, denn auch in Gera gibt es Wartelisten für Kinder von einem bis drei Jahren“.

Weitere Informationen über die Kindertagespflege „Bieblacher Zwerge“ sind im Internet unter www.bieblacher-zwerge.de zu finden.


Foto: Kerstin Batze (rechts) bietet als Erste in Gera eine Kindertagespflege an. Stefanie Kutschmar sucht für Luca einen Platz und informiert sich über das alternative Angebot. (Foto: Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

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