Siegesmund: „Grün tanken vor dem Umweltministerium und bald in ganz Thüringen“

Erfurt. Energieministerin Anja Siegesmund hat heute vor dem Umweltministerium eine neue Ladestation für Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen. Dies ist der Auftakt für 370 neue Ladestationen in ganz Thüringen bis zum Jahr 2020.

„Die Diskussion über Henne und Ei hat jetzt ein Ende. Wer bislang Sorge hatte, dass er nicht von A nach B käme mit einem E-Auto, weil es nicht ausreichend Ladesäulen gibt, kann jetzt sicher sein: Es geht. Wir laden damit ein darüber nachzudenken, auf elektrische Antriebe umzustellen. Das ist umweltfreundlich und spart Geld. Und wer erneuerbare E-Mobilität will, wird bald flächendeckend Anschluss haben“, sagte die Ministerin heute in Erfurt.

Gemeinsam mit Verkehrsexperte Raimo Harder (Bauhaus-Universität Weimar) und Geschäftsführer Peter Zaiß (Stadtwerke Erfurt) hat Umweltministerin Anja Siegesmund heute die Thüringer Ladeinfrastrukturstrategie (LISS) vorgestellt.

Danach sollen innerhalb von vier Jahren 370 neue Ladesäulen entstehen, um Thüringen lückenlos zu versorgen. Dies ist das Ergebnis der LISS Thüringen 2016 – 2020. Die Studie wurde im Auftrag des Umweltressorts durch die Bauhausuniversität Weimar und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Systemtechnik in Ilmenau erarbeitet.

Für rund 6 Mllionen Euro wird eine landesweite Kooperation von 32 Thüringer Energieversorgern 300 Normalladestationen und 70 Schnellladestationen errichten. Letztere werden überwiegend an Bundes- und Landesstraßen stehen und ermöglichen ein Nachladen innerhalb von 10 bis 20 Minuten. Der Verbund hat sich dafür erstmals auf ein gemeinsames Zugangs- und Bezahlsystem verständigt. Für E-Fahrer heißt das: Einmal anmelden und überall aufladen. Ladekarten und Zugangsdaten funktionieren zukünftig in ganz Thüringen.

„Mein ausdrücklicher Dank geht an die Thüringer Energie AG und alle 31 regionalen Versorger in Thüringen. Sie werden das Programm mit Unterstützung von Land und Bund umsetzen“, so die Ministerin.

Der Freistaat fördert den Netzausbau mit 975.000 Euro für Normalstationen, der Bund investiert 2,46 Mio. Euro in die schnellen Ladepunkte. Die Thüringer Energieversorger investieren rund 2,61 Mio. Euro.

Nutznießer der Initiative sind nicht nur Thüringer Autofahrer, auch das Klima soll profitieren. Bei einem prognostizierten Fahrzeugbestand von 8.200 mit einer Kilometerlaufleistung von rund 13.000 könnten über 16.000 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Dafür sollen die Betreiber komplett auf regenerative Energie setzen.


Hintergrund

Rund 30 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie wird im Verkehr verwendet (Personen- und Güterverkehr). Bundesweit entstehen im Verkehrssektor 16 Prozent der Schadstoff-Emission, in den Städten verursacht der Verkehr sogar 70 Prozent der für Klima und Gesundheit schädlichen Emissionen.

Demgegenüber steht das EU-Klimaschutzziel, im Verkehr bis 2050 die CO2-Emissionen um 60 % (gegenüber 1990) zu reduzieren. Der kürzlich beschlossene Klimaschutzplan der Bundesregierung sieht bis 2050 einen Komplettverzicht auf fossile Energieträger im Verkehrssektor vor.

Die Bestandaufnahme zeigt, dass Thüringen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt großen Nachholbedarf in Sachen E-Mobilität hat. 62 Prozent weniger E-Autos fahren auf den Straßen des Freistaats, 59 Prozent weniger Ladestationen stehen zur Verfügung. Lediglich 40 Ladesäulen entsprechen dem gültigen EU-Standard für das Steckersystem und liefern rund um die Uhr Strom (Stand: 31.01.2016). Hier setzt Thüringen an, um die Rahmenbedingungen für Elektromobilität zu verbessern.

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